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A K T U E L L E S

Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T

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ÖZZ Ausgabe 1/2026

W I S S E N S C H A F T L I C H E F O R T B I L D U N G

Z u m H e r a u s n e h m e n u n d S a mm e l n

5. Flexible Terminplanung

Angstpatient:innen ehermorgens einbestellen, wenn siewe-

niger Zeit zum Grübeln haben.

Mehr Zeit einplanen, um Hektik zu vermeiden.

6. Nachsorge

Positives Feedback nach dem Eingriff geben („Sie haben das

großartig gemacht“).

Patienten ermutigen, die nächste Behandlung nicht aufzu-

schieben.

Fazit – ein Appell an Kolleg:innen

Trypanophobie ist keine Seltenheit, sondern eine alltägliche

Herausforderung in der Zahn- und Oralchirurgie. Sie ist mehr

als nur „Unwohlsein“ – sie ist eine ernsthafte Angststörung mit

erheblichen gesundheitlichen Folgen.

Wir als Behandler:innen haben dieVerantwortung, dieseAngst

zu erkennen, ernst zu nehmen und angemessen zu behandeln.

Die Kombination aus empathischer Kommunikation, verhal-

tenstherapeutischen Elementen und – falls nötig – Sedierungs-

optionen eröffnet den Betroffenen neue Perspektiven.

Darüber hinaus ist es wichtig, interdisziplinär zu denken:

Zusammenarbeit mit Psychotherapeut:innen, Hausärzt:in-

nen und Fachkolleg:innen kann den Weg für Patient:innen

erleichtern.

Mein Appell lautet

:

Sehenwir dieAngst nicht als Störfaktor, sondern als integralen

Bestandteil unserer Arbeit. Wer Patient:innen in ihrer Furcht

abholt, stärkt nicht nur die Behandlungsergebnisse, sondern

trägt auch zu einer nachhaltig besseren Gesundheitsversor-

gung bei.

Ein 35-jähriger Patient stellte sich mit dem

Wunsch nach implantatgetragenem Zahnersatz

vor. Schon im Anamnesegespräch wurde deut-

lich: Seine größte Hürde war nicht der operative

Eingriff selbst, sondern die Spritzenangst. Er be-

richtete von mehrfach abgebrochenen Behand-

lungen in der Vergangenheit.

Im ersten Gespräch nahm ich mir bewusst eine

Stunde Zeit, um die Angst zu thematisieren. Der

Patient schilderte, wie schon der Anblick einer

Nadel bei ihm Herzrasen, Schwindel und Panik

auslöste. Gemeinsamerarbeitetenwir einen Plan:

1. Zwei vorbereitende Termine, in denen wir

Atemtechniken (4-7-8-Methode) und Acht-

samkeitsübungen trainierten.

2. Eine genaue Erklärung des Ablaufs – inklusive

derMöglichkeit, jederzeit ein Stopp-Signal zu

geben.

3. Eine Prämedikation mit Midazolam, um die

erste Behandlungssituation zu erleichtern.

Der Eingriff (Knochenaufbau mit beidseitigem

externem Sinuslift) konnte unter diesen Be-

dingungen erfolgreich durchgeführt werden.

Der Patient berichtete nach der Operation

überrascht: „Es war anstrengend, aber nicht so

schlimmwie erwartet. Ich bin stolz, dass ich es

geschafft habe.“ In den Folgeterminen war er

deutlich entspannter, da er eine positive Erfah-

rung abgespeichert hatte.

Fallbeispiel 1:

Implantatbehandlung bei schwerer Trypanophobie

Eine 17-jährige Patientin wurde mit retinierten

Weisheitszähnen überwiesen. Sie litt seit Jahren

unter generalisierterAngststörung und zeigte be-

reits beim Anblick der Spritze starke körperliche

Symptome: Zittern, Tränenfluss, Schweißausbrü-

che. In Absprache mit den Eltern entschiedenwir

uns für eine Kombination aus Lachgassedierung

und begleitendem Achtsamkeitstraining. Wäh-

rend des Eingriffs führte ich die Patientin konti-

nuierlich durch Atemübungen und ließ sie inner-

lich ein „sicheres Bild“ visualisieren. Trotz ihrer

massiven Vorerfahrungen konnte die Behandlung

ohne Komplikationen abgeschlossenwerden. Das

Feedback nach der Operation war bemerkens-

wert: „Das war das erste Mal, dass ich mich beim

Zahnarzt sicher gefühlt habe.“ Für die Patientin

war es nicht nur einmedizinischer Erfolg, sondern

auch ein psychologischer Durchbruch.

Fallbeispiel 2:

Weisheitszahnentfernung bei jugendlicher Patientin

Eine 52-jährige Patientin suchte erst nach Jah-

ren der Vermeidung zahnärztliche Hilfe auf. Sie

litt unter schwerer Parodontitis mit deutlichem

Zahnfleischrückgang. Grund für das Aufschie-

ben: eine lebenslange Spritzenangst. ImRahmen

der Behandlung kombinierten wir verschiedene

Strategien:

• ausführliches Vorgesprächmit Erläuterung der

Risiken bei Nichtbehandlung,

• progressiveMuskelentspannung vor demEin-

griff,

• kurze Expositionsübungenmit demSpritzen-Set,

• letztlich eine intravenöse Sedierung für den

umfangreichsten Eingriff.

Die Patientin konnte so Schritt für Schritt Ver-

trauen aufbauen und begann, regelmäßige Ter-

mine wahrzunehmen. Ihr Kommentar nach der

dritten Sitzung: „Ich hätte mir gewünscht, dass

schon früher jemand meine Angst so ernst ge-

nommen hätte.“

Fallbeispiel 3:

Angstpatientin mit chronischer Parodontitis

¤