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A K T U E L L E S

Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T

ÖZZ Ausgabe 1/2026

36

W I S S E N S C H A F T L I C H E F O R T B I L D U N G

Z u m H e r a u s n e h m e n u n d S a mm e l n

Studienlage – Evidenz für die Wirksamkeit

Die Effektivität dieserAnsätze ist durch zahlreiche Studien belegt.

Olatunji et al. (2010): In einerMetaanalysewurde dieWirksam-

keit der KVT bei spezifischen Phobien untersucht. Ergebnis:

signifikante und langfristige Reduktion der Angstsymptome.

Hamilton (1995): Beschrieb die nachhaltigen Effekte von Ex-

positionsverfahren bei Spritzenphobie – besonders, wenn die

Konfrontation unter therapeutischer Anleitung erfolgte.

Raghav et al. (2016): Zeigten, dass Benzodiazepine kurzfristig

Angst reduzieren, jedoch keine langfristige Lösung darstellen.

Die Quintessenz: Medikamente können den Einstieg erleichtern,

entscheidend bleibt jedoch die Kombination aus Exposition, ko-

gnitiver Umstrukturierung und aktiver Bewältigung.

Relevanz für die Oralchirurgie

In der Oralchirurgie ist dieTrypanophobie besonders relevant, da

Injektionen unvermeidbar sind. Jede Weisheitszahnentfernung,

jeder Knochenaufbau, jede Implantation setzt eine Lokalanäs-

thesie voraus.

Die Angstreaktionen sind oft massiv:

Manche Patient:innen sagen Termine in letzter Minute ab

(„Angst am Vortag“).

Andere erscheinen, steigen in den Behandlungsstuhl – und

brechen die Behandlung unter Tränen ab.

Häufig berichten Patient:innen über Schwindel, Hyperventi-

lation oder psychosomatische Beschwerden („Mir ist heute

schlecht, ich glaube, ich kann nicht“).

Für Behandler:innen ist es entscheidend, diese Dynamik zu er-

kennen und Strategien vorzuhalten. Denn eine verschobene Be-

handlung ist nicht nur frustrierend, sondern kann medizinisch

gravierende Folgen haben.

Sedierungsoptionen –

ein Spektrum an Möglichkeiten

Je nach Schweregrad der Angst und Komplexität des Eingriffs

stehen verschiedene Optionen zur Verfügung:

Lachgassedierung

: angstlösend, schnell steuerbar, gut ge-

eignet für kürzere Eingriffe oder Kinder und Jugendliche.

Orale Sedierung

(z. B. Midazolam): risikoarm, anxiolytisch,

ermöglicht stressarme Behandlungen bei moderater Angst.

Intravenöse Sedierung

: wirksambei schweren Phobien oder

langen Eingriffen; erfordert jedoch ein erfahrenes Team und

Monitoring.

DieWahl hängt von mehreren Faktoren ab: medizinische Vorge-

schichte, Angstschwere, Eingriffsart und Ressourcen der Praxis.

Wichtig ist die individuelle Abstimmung – keine Standardlösung

passt für alle.

Kommunikation als Schlüssel

zur Angstbewältigung

Neben allenmedikamentösen oder therapeutischenAnsätzen ist

eines oft der entscheidende Faktor: die Kommunikation zwischen

Behandler:in und Patient:in.

Ein vertrauliches Vorgespräch, in demdie Angst offen angespro-

chen wird – und Verständnis gezeigt wird –, wirkt oft wie ein

Katalysator. Patient:innen fühlen sich gesehen und ernst genom-

men. Einfache Sätze wie:

„Ihre Angst ist keine Schwäche.“

„Wir gehen das in Ihrem Tempo an.“

„Sie haben jederzeit ein Stopp-Signal.“

können mehr bewirken als jede Medikation.

Auch kleine Interventionen wie eine Atemübung direkt vor der

Injektion oder eine kurze Visualisierung können die Erfahrung

deutlich erleichtern.

Praxisempfehlungen für den Alltag

1. Frühzeitige Erkennung

Bereits im Anamnesebogen gezielt nach Ängsten fragen.

Offene Gesprächsführung statt „Wird schon gehen“-Mentalität.

2. Kommunikation

Angst ernst nehmen und normalisieren („Viele Menschen

haben diese Sorge“).

Transparenz: genaue Erklärung des Ablaufs, kein unnötiges

Beschönigen.

Stopp-Signale vereinbaren.

3. Setting in der Praxis

Ruhige Atmosphäre schaffen: kurzeWartezeiten, beruhigen-

de Farben und Musik.

Ablenkungstechniken nutzen: Bildschirme, Musik, Gespräche.

4. Team-Schulung

Auch Assistenzpersonal auf ängstliche Patient:innen vor-

bereiten.

Einheitliche Kommunikation im gesamten Team – keine wi-

dersprüchlichen Botschaften.