Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
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ÖZZ Ausgabe 1/2026
vermiedenen Spritze wächst die Überzeugung: „Ich kann das
nicht schaffen.“
Verhaltenstherapeutische Ansätze –
Wege aus der Angst
Die wirksamste und wissenschaftlich am besten belegte Thera-
pieform bei Trypanophobie ist die kognitive Verhaltenstherapie
(KVT). Sie kombiniert Expositionsverfahren, kognitive Techniken
und Entspannungsmethoden.
1. Expositionstherapie / Systematische Desensibilisierung
Das Herzstück der KVT ist die graduierte Konfrontation mit dem
angstauslösenden Reiz und damit eine Gewöhnung an denselben.
Statt den Patienten sofort mit einer Injektion zu konfrontieren,
erfolgt ein schrittweises Vorgehen:
Imaginativ
: Zunächst stellen sich Betroffene eine Spritze in
Gedanken vor oder sehen Bilder.
In sensu
: Anschließendwerden Videos oder Geräusche (z. B.
das Klicken einer Spritze) eingebaut.
In vivo
: Schließlich erfolgt die reale Konfrontation, etwa durch
Anwesenheit bei einer Blutabnahme oder das Üben einer
Injektion in Begleitung.
Durch diese wiederholte Exposition unter kontrollierten Bedin-
gungen tritt eine Habituation ein – die Angstreaktion schwächt
sich mit jeder Wiederholung ab.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein Patient begann damit, Sprit-
zenbilder in einem Buch anzusehen. Anfangs konnte er kaum
länger als eine Sekunde hinsehen. Nachmehreren Sitzungenwar
es möglich, ein Spritzen-Set in der Praxis in die Hand zu nehmen,
ohne sofort Panik zu verspüren. Der nächste Schritt – eine tat-
sächliche Blutabnahme – wurde damit realistisch.
2. Kognitive Umstrukturierung
Häufig kreisen die Gedanken Betroffener umÜberzeugungenwie:
„Ich werde die Kontrolle verlieren.“
„Ich kippe sofort um.“
„Es wird unerträglich schmerzhaft.“
In der KVTwerden diese Gedanken bewusst gemacht, hinterfragt
und durch realistischere Annahmen ersetzt:
„Mein Kreislauf kann stabil bleiben, wenn ich tief atme.“
„Ich habe eine Begleitung, ich bin nicht allein.“
„Ich kann ein Stopp-Signal geben.“
W I S S E N S C H A F T L I C H E F O R T B I L D U N G
Z u m H e r a u s n e h m e n u n d S a mm e l n
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Dieser Perspektivwechsel reduziert die Erwartungsangst und
ermöglicht es, sich der Situation zu stellen.
3. Entspannungsverfahren
Parallel zur Exposition lernen Patient:innen Methoden, um die
physiologischen Symptome der Angst zu regulieren. Besonders
bewährt haben sich:
4-7-8-Atemtechnik
: vier Sekunden einatmen, sieben Sekun-
den Luft anhalten, acht Sekunden ausatmen. Diese Atem-
rhythmik stabilisiert Puls und Blutdruck.
Autogenes Training
: Progressive Muskelentspannung nach
Jacobson: gezieltes An- und Entspannen vonMuskelgruppen
reduziert die körperliche Anspannung.
Achtsamkeitstraining
: Übungen wie der „Body Scan“ oder
Visualisierungen sicherer Orte vermitteln Ruhe und Sicher-
heit.
Studien zeigen, dass solche Entspannungstechniken helfen kön-
nen, vasovagale Synkopen – also Ohnmachtsanfälle durch Kreis-
laufabfall – zu verhindern.
4. Therapeutisch begleitete Sedierung
In schweren Fällen kann eine Sedierung den Einstieg erleichtern.
Hierbei werden Medikamente wie Midazolam oral oder intrave-
nös verabreicht. Ziel ist nicht die dauerhafte Medikation, son-
dern dieMöglichkeit, erste positive Behandlungserfahrungen zu
sammeln. Diese positiven Erlebnisse wirken wie eine „Gegen-
konditionierung“ und können das Vertrauen der Patient:innen
langfristig stärken.




