Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
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ÖZZ Ausgabe 1/2026
2 0 J A H R E , 2 0 G E S I C H T E R
ÖZZ: Wo sahen Sie persönlich die größten Hürden für die Grün-
dung?
Krainhöfner
: Der Widerstand der Ärztekammern war wohl die
größte Hürde, die es zu nehmen galt. Die Ärztevertreter:innen
befürchteten nämlich, dass die Zahnärzt:innen nicht nur aus der
Kammer, sondern auch aus demWohlfahrtsfonds ausscheiden
würden, was in weiterer Folge die Leistung hoher Zahlungen an
einen eventuellen rein zahnärztlichen Wohlfahrtsfonds bedeu-
tet hätte. Tatsächlich wurde dieser Schritt ursprünglich eben-
falls angedacht, daher waren die Befürchtungen der Ärzt:innen
durchaus gerechtfertigt. Das war auch der Grund, weshalb diese
Frage bei der schließlich erfolgtenTrennung dann zurückgestellt
wurde. Vonseiten einzelner politischer Fraktionen wiederum
wurde die Sorge laut, dass eine derartige Trennung von Ärzt:in-
nen und Zahnärzt:innen einen Präzedenzfall schaffen und sich
Nachahmer in anderen Interessenvertretungen finden könnten.
Der ehemalige Kammeramtsdirektor der Österreichischen Zahnärztekammer,
HR Dr. Jörg Krainhöfner, bei der ERO 2014 in Paris
ÖZZ: Wo liegen die größten Vorteile für die Zahnärzteschaft?
Was davon hat sich umsetzen lassen?
Krainhöfner
: Die größten Vorteilewaren ohne Zweifel die Unab-
hängigkeit der Zahnärzteschaft und die Autonomie hinsichtlich
derVertretung ihrerberuflichen Interessen. Dabei stach vorallem
die Möglichkeit hervor, eigenständige Kassenvertragsverhand-
lungen führen zu können, ohne dass für bestimmte Abschlüsse
die Zustimmung der ärztlichen Vertreter:innen notwendig ist.
Mit der Schaffung eines eigenen spezifisch Zahnärzt:innen be-
treffenden Abschnittes imASVG im Jahr 2010wurde diesbezüg-
lich eine essenzielle Hürde zur eigenständigen Ausgestaltung
der Verträge genommen. Und schließlich reduzierten sich nach
der Gründung der Zahnärztekammer auch die Kammerbeiträge.
Tatsächlich ließen sich von diesen Punkten alle umsetzen – so
wie die Gründung der Zahnärztekammer insgesamt tragfähige
Lösungen für die zentralen Themen hervorgebracht hat.
ÖZZ: Verraten Sie uns Ihre persönlichen
Eindrücke in der Übergangszeit zwischen
Dentisten- und Zahnärztekammer?
Krainhöfner
: Es tat sich damals ein kurzes
Zeitfenster auf, das uns die Gelegenheit zur
Gründung der Zahnärztekammer bot und
das konnten wir dank der guten Kontakte
zu politischen Entscheidungsträger:innen
effektiv nutzen. Dass ein derartiger Schritt
nicht überall auf Zustimmung stieß, ist
nachvollziehbar. Dennoch ließen Quer-
schüsse und Aktionen häufig das diploma-
tischeAugenmaß vermissen. Auch nach der
gesetzlichen Umsetzung griffen die Geg-
ner:innen der Gründungsidee in manchen
Landesärztekammern zu fragwürdigen
Mitteln – manche davon bedurften sogar
einer gerichtlichen Klärung ...




