Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
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ÖZZ Ausgabe 1/2026
2 0 J A H R E , 2 0 G E S I C H T E R
oder hat die Ärztekammer für Wien Ihrer Meinung nach Meilen-
steine für die Zahnärzteschaft gesetzt bzw. setzen können?
Holzgruber
: Wie erwähnt, war dies regional unterschiedlich.
Aber natürlich gab es Konflikte, weil die Zahnärzt:innen oft-
mals Gefahr liefen, mit ihren Interessen in der gemeinsamen
Kammer nicht ausreichend gehört zu werden. Ich kann mich
an einen massiven Konflikt in der Österreichischen Ärztekam-
mer erinnern, wo man Hausapothekenregelungen gegen Zahn-
kronenregelungen zu Lasten der Zahnärzt:innen abtauschen
wollte. Natürlich hat sich Hannes Westermayer als damaliger
Obmann der Bundeskurie Zahnärzte dagegen gewährt. Auf der
anderen Seite habe ich immer die Meinung vertreten, dass die
Zahnärzt:innen im Windschatten der Humanmediziner:innen
zum Beispiel im Kassenrecht von der gemeinsamen Kammer
profitiert haben.Wie gesagt, inWienwar es kein großes Problem.
Das Verhältnis zwischen den Präsidenten Neumann und Dorner
zu den Zahnärzt:innen und vor allemauch persönlich zu Hannes
Westermayerwar immer extrem respektvoll und kooperativ und
die Zahnärzt:innen waren auch immer Mitglied der regieren-
den Koalitionen in Wien. Erfolge hatten wir natürlich auch. Ich
kann mich noch gut an die Verhandlungen zum „DDr.“ erinnern.
Damals wollte man diesen Titel den Zahnärzt:innen imWissen-
schaftsministerium nicht zugestehen. Gemeinsam konnten wir
die Thematik dann aber erfolgreich gestalten – ebenso wie die
Gespräche mit der Kasse zum so genannten „Zahnbehandler-
faktor“, in deren Rahmen gemeinsam viele Verbesserungen für
die Zahnärzt:innen erreicht wurden.
ÖZZ: Nun 20 Jahre nach der Gründung der Zahnärztekammer:
Wie blicken Sie zurück? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit
mit der Landeszahnärztekammer für Wien heute?
Holzgruber
: Die Zusammenarbeit ist vor allem im gemeinsa-
men Wohlfahrtsfonds noch immer sehr intensiv und gut. Das
zeigt sich auch daran, dass beispielsweise inWien jahrelang ein
Zahnarzt den Verwaltungsausschuss geführt hat und immer ein
Zahnarzt oder eine Zahnärztin zumindest Stellvertreter:in im
Verwaltungsausschuss ist und alle wichtigen Entscheidungen
im Einvernehmen mit den Zahnärzt:innen getroffen werden. In
den anderen politischen Bereichen versucht man zu kooperieren,
aber da spielt die Landesebene eine untergeordnete Rolle. Poli-
tisch ist die nationale Ebene aufgrund der Gesetzgebungskom-
petenz imNationalrat für die Kooperation viel wichtiger. Gerade
zuletzt bei der Ambulatoriumsfrage merkt man auch noch, wie
engwir zusammenhängen. Streitet dieÄrztekammer intern, wird
sie von der Politik entmachtet und die Zahnärztekammer – ohne
dass sie etwas dafür kann – gleich mit. Ich kann mich hier nur
für einige damals einflussreiche Funktionär:innen, vor allemder
Ärztekammer für Wien, bei den Zahnärzt:innen entschuldigen.
ÖZZ: Kann die Ärztekammer etwas von der Zahnärztekammer
lernen?
Holzgruber
: In der Standespolitik ist es extrem wichtig, geeint
aufzutreten. Das System der Zahnärzt:innen mit einer starken
österreichischen Kammer ist sicher etwas, was sich die Ärzte-
kammer auch überlegen muss. Wir haben in der Ärztekammer
immer wieder Konflikte zwischen Bund und Ländern und auch
das Kuriensystem, das die Zahnärzt:innen so nicht kennen, sollte
man in der Ärztekammer überdenken. Diese Zersplitterung ist
für eine moderne Standesvertretung, in der die extra- und intra-
murale Versorgung immer mehr zusammenwachsen und z. B.
die Wahlärzt:innen komplett aufgeteilt sind, nicht mehr zeitge-
mäß. Zudem bietet ein einheitliches und besser strukturiertes
System weniger interne Reibungsflächen, die gerade im Jahre
2023 für die Ärzteschaft – ausgehend von der Wiener Kammer
–massiv nachteiligwaren, aber auch die Zahnärzt:innen etwa in
derAmbulatoriumsfrage als Kollateralschaden betroffen haben.
Hofrat Dr. Thomas Holzgruber
InterviewpartnerwarHofrat Dr. Thomas Holzgruber, Ge-
neralsekretär und Patient:innenombudsmann derÄrzte-
kammer für Wien.
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