Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
ÖZZ Ausgabe 1/2026
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ZÄHNE VOM
SCHLACHTFELD
Der Franzose Pierre Fauchard schrieb in seinem 1728 erschienen Werk
erstmals über künstlichen Zahnersatz. Knapp 100 Jahre später lieferten
Kriegsgefallene das Material für die so genannten „Waterloo-Zähne“,
die als Prothesen oder für den direkten Einsatz Verwendung fanden.
Von Manuela-Claire Warscher
Man schreibt das Jahr 1728, als der 50-jährige Franzose Pierre
Fauchard (1678 – 1761) die medizinische Welt revolutionierte.
Erstmals lag nun mit seinem Werk „Le Chirurgien Dentiste“
eine wissenschaftliche Grundlage für die Zahnmedizin – zu-
nächst im französischsprachigen Raum – vor. Umso größer
war der Jubel, als seine Erkenntnisse sechs Jahre später auch
im deutschsprachigen Raum verfügbar waren: „Die Urtheile
und Gutachten einiger der vortrefflichsten Mediocorum und
Chirurgorum, wissen nicht genugsamdenWerth diesesWerkes
zu erheben. Daher kein Zweifel, daß [sic!] dieses Buch allen
Teutschen [sic!] Wundärzten […] nützlich seyn werde.“ Bis zu
Fauchards Pionierleistung war es nämlich nicht üblich, dass
Zahnmediziner:innen ihrWissen und ihre Praktiken publizierten
und auf diese Weise für Kolleg:innen zugänglich machten. Das
800 Seiten starke Buch, das nun amMarkt verfügbarwar, legte
jedoch praktische Anwendungen ebenso offen wie detaillierte
Beschreibungen von 103 Zahnerkrankungen und derenBehand-
lungsoptionen. Aber noch mehr: Zum allerersten Mal gab es in
diesem Nachschlagewerk auch eine Anleitung zur Herstellung
von Zahnprothesen.
Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Träger:innen ihre Prothesen
herausnehmen, um überhaupt essen zu können. Das erwies
sich als problematisch da, eine gepflegte Tischkonversation
Zahnmedizin anno dazumal
D A M A L S & H E U T E
Pierre Fauchard, Porträt des Malers J. Le. Bel.




