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ÖZZ Ausgabe 1/2026
2 0 J A H R E , 2 0 G E S I C H T E R
ÖZZ: Wie haben die Kärntner Zahnärzt:innen auf die Ausgliede-
rungspläne reagiert?
Rezac
: Die Stimmung unter den Zahnärzt:innenwar grundsätz-
lich ausgewogen. Einige ältere Zahnärzt:innen hatten zwar Be-
denken, da sie sich selbst „nicht nur“ als Zahnärzt:innen, sondern
als Ärzt:innen sahen und daher auch in derÄrztekammer verblei-
benwollten. Die jüngerenMitglieder betrachteten die Pläne vor
dem Hintergrund des Ende der 1990er Jahre eingeführten Stu-
diums der Zahnmedizin pragmatischer. ImEndeffekt war jedoch
dieMehrheit für eine eigene Kammer, da die Ärztekammer nicht
immer imSinne der Zahnärzteschaft agiert hatte –wie etwa bei
dem Zugeständnis für Privatleistungen in Kassenambulatorien
imAbtausch für die Liberalisierung der Hausapothekenregelung.
ÖZZ: Wie waren die ersten Monate im Jahr 2006 nach der Grün-
dung der Landeszahnärztekammer für Kärnten bzw. wie verlief
die Trennung?
Rezac
: Nachdemdas Gesetz erst sehr spät – imDezember 2005
– verabschiedet wurde, kam die Trennung auch einigermaßen
abrupt. Wir mussten in Folge das Umlagevermögen der Ärzte-
kammer, worin auch die Kammerbeiträge der Zahnärzt:innen
inkludiert waren, zwischen der Ärzte- und der neuen Landes-
zahnärztekammer für Kärnten aufteilen. Wenig überraschend
war die Herauslösung dieser Beiträge ein Streitpunkt. Ich konnte
allerdingsmit demdamaligenÄrztekammerpräsidenten imLaufe
des Jahres 2006 eine Einigung erzielen, wonach für den Anteil
der Zahnärzteschaft entsprechend derAnzahl an Zahnärzt:innen
ein Pauschalbetrag gezahlt wurde. Die Räumlichkeiten der Ärz-
tekammer Kärnten haben wir umgehend verlassen und eigene
Büros amNeuen Platz in Klagenfurt bezogen – diese Räume sind
übrigens bis heute das Zuhause der Landeszahnärztekammer
für Kärnten. Imersten Jahr stieß schließlich unsere jetzige Büro-
leiterin und gute Seele, Karin Brenner, dazu. Zusammenfassend
kann man also sagen, dass die Trennung auf Seiten der Ärzte-
kammer Kärnten zwar schmerzvoll erlebt wurde, aber dennoch
professionell abgewickelt werden konnte.
ÖZZ: Wie beurteilen Sie rückblickend die Gründung der Zahnärz-
tekammer – sowohl als ehemaliger Präsident der Ärztekammer
Kärnten als auch als heutiger Präsident der Landeszahnärzte-
kammer für Kärnten? Was würden Sie heute wieder so machen?
Was nicht?
Rezac
: Die Gründung der Zahnärztekam-
mer fand zum idealen Zeitpunkt statt,
weil sie nur in der damaligen Regierungs-
konstellation aus ÖVP und FPÖ möglich
war. Die Österreichische Dentistenkam-
mer hätte ansonsten liquidiert werden
müssen. Wir Zahnärzt:innen konnten der
Bundesregierung jedoch ein gutes Ange-
bot unterbreiten, wonach ganz im Sinne
der Sozialpartnerschaft keine Kammer
abgeschafft werden musste. Der Schritt
zur eigenen Kammer war ein wesentlicher
Schritt zur Wahrung der Freiberuflichkeit
und der Identität der Zahnärzt:innen als
eigene Berufsgruppe. Ein weiterer wichti-
ger Schritt zur Wahrung derselben waren
eigene Bestimmungen für Zahnärzt:innen
in den Sozialversicherungsgesetzen.
Zeitzeuge OMR DI Dr. Karl Anton Rezac, heute Präsident der Landeszahnärztekammer
für Kärnten und früher Präsident der Ärztekammer Kärnten




