Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
ÖZZ Ausgabe 1/2026
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2 0 J A H R E , 2 0 G E S I C H T E R
ZEITFENSTER DER
MÖGLICHKEITEN
Interview
Vor 20 Jahren bot sich den Zahnärzt:innen für kurze Zeit die Möglichkeit,
eine eigene Kammer zu gründen. Diese konnten die Verantwortlichen
dank guter Kontakte zu politischen Entscheidungsträger:innen effektiv
nutzen, wie der ehemalige Kammeramtsdirektor der Österreichischen
Zahnärztekammer,
HR Dr. Jörg Krainhöfner
, im ÖZZ-Interview erzählt.
ÖZZ:Welche Überlegungen gingen der Gründung der Zahnärzte-
kammer vonseiten der Zahnärzteschaft voraus?
HRDr. Jörg Krainhöfner
: ImWesentlichenwaren drei Aspekte
relevant. Zunächst die europarechtliche Situation: Vor Grün-
dung der Österreichischen Zahnärztekammer waren Zahn-
ärzt:innen und Dentist:innen anderer Länder bereits in eigenen
Kammern und Vereinen vertreten. Das heißt, in Ländern, in
denen es Kammern gab, gab es automatisch auch eine Zahn-
ärztekammer, in jenen mit Vereinswesen gab es zahnärztliche
Vereine. Dazu kam, dass österreichische Zahnärztevertreter:in-
nen auf europäischer Ebene immer wieder in Entscheidungen
oder Diskussionen eingebunden waren, so dass eine Kammer-
gründung auch in Österreich naheliegend war. Der zweite As-
pekt betraf die Dentistensperre in Österreich, wodurch sich die
Zahl der aktiv tätigen Dentist:innen empfindlich reduzierte.
Gleichzeitig wurden die Dentist:innen aber bereits von einer
eigenständigen Kammer vertreten. Damit gingen aber auch Un-
klarheiten in Bezug auf Auflösung der Kammer, Zeitpunkt einer
Auflösung, Verwaltung der finanziellenMittel usw. einher. Und
letztlich waren die zahnärztlichen Vertreter:innen mit einem
zunehmenden Bedeutungsverlust innerhalb der Ärztekammer
konfrontiert, der vor allem das Resultat der ab 1999 existenten
Kurienlösungwar. Darinwurde die Kurie der Zahnärzte bei allen
Ärztekammerangelegenheiten imRegelfall von jener der nieder-
gelassenen Ärzt:innen und jener der Angestellten überstimmt.
Zuvorwaren Zahnärzt:innen innerhalb derÄrztekammern prak-
tisch immer die zweit- oder drittstärkste Fraktion und stellten
dadurch einerseits den Vizepräsidenten undwaren andererseits
in allen Gremien vertreten.
ÖZZ: Welche Stimmen für und gegen die Gründung sind Ihnen in
Erinnerung und wie wurde darauf reagiert?
Krainhöfner
: Zu den größten Befürwortern zählte der Zahnärzt-
liche Interessenverband (ZIV), der die Gründung einer eigenen
Kammer bereits in seinen Statuten festgeschrieben hatte. Zudem
sprachen sich sieben der neun Landeszahnärzteobleute für eine
Gründung aus. Auf Ablehnung stieß der Plan bei der Österrei-
chischen Ärztekammer und den Ärztekammern in den Ländern,
dort insbesondere auch bei den Kammeramtsdirektoren, die
wegen des Entfalls von circa einem Viertel des Gesamtbudgets
gegen die Gründung auftraten. Innerhalb der Zahnärzteschaft
stemmten sich die niederösterreichischen undTiroler Vertretun-
gen (damals allerdings unter anderer Führung als heute) gegen
das Vorhaben. Am Ende fiel das Ergebnis der Urabstimmung im
Jahr 2005 über die Gründung der Zahnärztekammer, wenn auch
knapp, so doch positiv aus.
Jubiläum




