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Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T

ÖZZ Ausgabe 1/2026

18

2 0 J A H R E , 2 0 G E S I C H T E R

SYSTEM DER

ZAHNÄRZT:INNEN

ALS VORBILD

Interview

In der Standespolitik gehe es darum, möglichst geeint aufzutreten.

In dieser Hinsicht hätten die Zahnärzt:innen den Humanmedizin-

er:innen mit ihrem System der starken österreichischen Kammer

etwas voraus. Damit sei nicht nur das Konfliktpotenzial geringer,

so

Dr. Thomas Holzgruber

von der Ärztekammer für Wien.

ÖZZ: Siewaren zumZeitpunkt der Gründung der Zahnärztekam-

mer bereits stellvertretender Kammeramtsdirektor der Ärzte-

kammer für Wien. Wie haben Sie damals die Bestrebungen der

Zahnärzteschaft zur Gründung einer eigenen Kammer wahrge-

nommen?

Dr. Thomas Holzgruber

: Die Gründung der Zahnärztekammer

war ein jahrzehntelanger Prozess, der durch den EU-Beitritt 1995

und die internationale Situation einer in vielen EU-Ländern un-

abhängigen Interessenvertretung der Zahnärzteschaft Fahrt auf-

genommen hat. 1998 – imZuge der großen Reform des Ärztege-

setzes – hat man versucht, demRechnung zu tragen, indemman

in der Kurienreform eine eigene Kurie für Zahnärzte eingeführt

hat. Aber auch das hatte die Diskussion nicht beendet, weil die

Zahnärzt:innen – nicht ganz zu Unrecht – immer wieder betont

hatten, dass ihre Anliegen mit den Anliegen der Humanmedizi-

ner:innen nicht ident sind. Zudem bestand stets die Angst, mit

den eigenen zahnärztlichen Interessen unterzugehen, weil man

in den gemeinsamen Organen immer klar in der Minderheit war

– waren doch die Zahnärzt:innen in etwa im Faktor 1:10 in der

Ärztekammer repräsentiert.

ÖZZ:Wiewar die Stimmung unter den (ärztlichen) Funktionär:in-

nen, als eine eigene Zahnärztekammer immer realistischerwur-

de? Wie jene der Angestellten?

Holzgruber

: Sehr unterschiedlich und massiv davon abhängig,

wie Ärzt:innen und Zahnärzt:innen auch regional zusammen-

gearbeitet und sich auch persönlich und menschlich verstanden

haben. Dort, wo es viel Konflikt gab, war man froh, dass man die

Zahnärzt:innen „los“ wurde. Dort, wo die Zusammenarbeit funk-

tionierte, wie zum Beispiel in der Wiener Kammer, hat man den

Verlust eher traurig zur Kenntnis genommen und danach getrach-

tet, eine ordentliche Trennung ohne Verletzungen zustande zu

bringen. Bei den Mitarbeiter:innenwar es eigentlich kein großes

Thema, denn die meisten, etwa in Wien, waren in der zahnärzt-

lichen Abrechnungsstelle tätig und diese hat schon immer sehr

autonom gearbeitet. Mir persönlich hat es sehr leid getan, weil

ich immer gern für die Zahnärzteschaft gearbeitet habe.

ÖZZ: Die Zahnärzteschaft hat sich Erzählungen zufolge vor der

Schaffung einer eigenenKammer oft stiefmütterlichvon derÄrz-

tekammer behandelt gefühlt. Können Sie dies nachvollziehen

Jubiläum