L A N D E S I N F O S
Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
55
ÖZZ Ausgabe 1/2026
von externen Einrichtungen. Das Erdgeschoß und der dritte Stock
sind gut vermietet, und nach demAuszug der Hypo NÖEnde 2025
eröffnen sich nun auch imersten Stock neueMöglichkeiten – etwa
für zusätzliche Fortbildungsräume oder ein niederösterreichi-
sches zahnärztliches Notdienstzentrum. Die Planungen dafür
sind bereits im Gange.
ÖZZ: Stimmt es, dass sich die ZAss- und PAss-Schulen als Erfolgs-
projekt erwiesen haben?
Gruber
: Absolut. Sie zählen heute zu unseren größten Erfolgen.
Jährlich schließen circa hundert Teilnehmer:innen ihreAusbildung
ab. Besonders stolz bin ich darauf, dass unsere Absolvent:innen
mittlerweile auch die Lehrabschlussprüfung ablegen können. Das
eröffnet neue Karrierechancen – ob für ein weiterführendes Stu-
dium oder beim Arbeitsplatzwechsel.
ÖZZ: Welche weiteren Projekte konnten in den letzten 20 Jahren
umgesetzt werden?
Gruber
:Wir haben die Kammer konsequent als moderne Service-
einrichtung positioniert. Neben der NÖZZ entstanden zahlreiche
analoge und digitale Angebote wie die „NÖFA“ (Niederösterrei-
chische Fortbildungsakademie), die Diensteinteilungsplattform
sowie Job-und Vertretungsbörsen. Damit unterstützenwir unsere
Mitglieder aktiv im Berufsalltag. Auch unsere Fortbildungsver-
anstaltungen – gemeinsam mit der ÖGZMK organisieren wir das
Wachauer Frühjahrsymposium und das Herbstsymposium – er-
freuen sich großer Beliebtheit. Praxisnahe Seminare etwa zur
Ordinationsgründung und -schließung bringen erfahrene Kol-
leg:innen und Berufseinsteiger:innen zusammen – ein Austausch
mit echtem Mehrwert für beide Seiten.
ÖZZ: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit anderen Institu-
tionen im Gesundheitswesen?
Gruber
: In Niederösterreich herrscht ein Klima des gegenseitigen
Respekts.Wir nennen das den „niederösterreichischenWeg“ – ein
partnerschaftlicher Dialogmit den Entscheidungsträger:innen im
Gesundheitswesen. Dieses Miteinander auf Augenhöhe hat sich
in den letzten 20 Jahren bewährt und ist eine der größten Stärken
unseres Bundeslandes.
ÖZZ: Sie waren auch Präsident der Österreichischen Zahnärzte-
kammer. Was konnten Sie in dieser Zeit erreichen?
Gruber
: Einige Dinge, auf die ich sehr stolz bin. Besonders die
Weiterentwicklung des Jobsharings war ein Durchbruch: Bis zu
drei Kolleg:innen können sich heute einen Kassenvertrag teilen
– ohne finanzielle Nachteile. Das eröffnet neue Formen zeitge-
mäßer, flexibler Zusammenarbeit. Außerdem gelang es während
meinerAmtszeit, unter Federführung der damaligen Referentin für
Kieferorthopädie Dr.
in
Birgit Vetter-Scheidl, nach jahrzehntelan-
gen Diskussionen endlich den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie
(KFO) zu etablieren – einMeilenstein für die Professionalisierung
unseres Berufsstands. Ganz nebenbei erinnert das neue Logo der
Österreichischen Zahnärztekammer an diese Zeit des Aufbruchs.
ÖZZ: Ein wichtiges Thema ist der Wohlfahrtsfonds. Wie steht es
heute um ihn?
Gruber
: Nach der Trennung von der Ärztekammer zeigte sich,
dass der Wohlfahrtsfonds eine massive Unterdeckung hatte –
der Deckungsgrad lag bei nur etwa 5 %. 2009 haben wir daher
eine tiefgreifende Pensionsreform umgesetzt. Diese war zwar
schmerzhaft, aber notwendig. Heute, nach 16 Jahren, können wir
mit Stolz sagen: Der Fonds ist stabil, und der Deckungsgrad liegt
bei über 90 %. Erstmals seit vielen Jahren konnte derWohlfahrts-
fonds sogar eine Einmalzahlung zur Inflationsabgeltung leisten.
Darüber hinaus können Zahnärzt:innen ab 65 Jahren nunmehr ihre
Pension beziehen und uneingeschränkt weiterarbeiten – ohne
Abzüge. Das ist echte finanzielle Fairness.
ÖZZ: Was sind Ihre Ziele für die nächste Funktionsperiode?
Gruber
: Ich werde erneut kandidieren – mit großer Dankbarkeit
für das Vertrauen meiner Kolleginnen und Kollegen. Unser Fokus
liegt klar auf Innovation, Digitalisierung und Service. Themenwie
Künstliche Intelligenz in der Zahnmedizin, derweitere Ausbau der
Fortbildung und die Sicherung fairer Tarife und Rahmenbedin-
gungen stehen ganz oben auf unserer Agenda. Unser Ziel bleibt,
die Interessen der niederösterreichischen Zahnärzteschaft mit
Kompetenz, Erfahrung und Zukunftsblick zu vertreten.
ÖZZ: Herr Präsident, vielen Dank für das Gespräch!
OMR DDr. Hannes Gruber
Präsident der
Landeszahnärztekammer
für Niederösterreich
© Marius Höfinger




