Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T
ÖZZ Ausgabe 1/2026
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Unter „
Gewalt
“ versteht man körperliche, psychische, sexuelle
oder soziale Schädigungen, die einer Person wissentlich zugefügt
werden. Immedizinischen Kontext können sowohl
Patient:innen
(z. B. häusliche Gewalt, Kindesmisshandlung, Missbrauch älterer
Menschen) als auch
Gesundheitspersonal
(z. B. durch aggressive
oder überforderte Patient:innen, Angehörige oder andereMitarbei-
tende) Opfer von Gewalt werden.
Es ist nicht immer einfach,
Gewalt immedizinischenAlltag
zu er-
kennen. UnspezifischeAnzeichen sindHämatome, Angstzustände
oder psychosomatische Beschwerden. Häufig hindern Scham und
Angst die Betroffenen, über erlebte Gewalt zu sprechen. Der vor-
handeneZeitdruckunddiehoheArbeitsbelastung immedizinischen
Alltag erschweren oft eine gründliche Anamnese. Darüber hinaus
gilt es auch noch die ethischen und rechtlichen Dimensionen zu
beachten. Oft sehen wir uns als Zahnärzt:innen mit demDilemma
Schweigepflicht oder Meldepflicht konfrontiert.
Gewalt gegen medizinisches Personal
kann sowohl von Pati-
ent:innen und Angehörigen als auch von Kolleg:innen oder Vor-
gesetzten ausgehen (z. B. strukturelle Gewalt durch Hierarchien)
und äußert sich in
Form
von:
°
Verbaler Gewalt
: Beleidigungen, Drohungen, sexuelle
Belästigung
°
Physischer Gewalt
: Schläge, Tritte, Spucken, Werfen
von Gegenständen
°
PsychischerGewalt
: Einschüchterung,Mobbing, Diskriminierung
Genauso vielseitig wie die Formen sind deren
Ursachen
.
Überlastung und Stress bei Patient:innen und Personal,
emotionale Ausnahmesituationen (z. B. Notfälle, Todesfälle),
Kommunikationsprobleme,
kulturelle Missverständnisse sowie
mangelnde Arbeitsorganisation
sind hier anzuführen.
GEWALT IM FOKUS
MR Dr. Günter Gottfried
Vizepräsident und Referent
für Kommunikation und
Digitalisierung der Österreichischen
Zahnärztekammer
Die
Folgen
sind oft dramatisch und langwierig:
Psychische Belastung: Angst, Schlafstörungen, Burnout
Physische Verletzungen: mit ggf. langer Rekonvaleszenz
BeruflicheKonsequenzen: erhöhteFluktuation, Krankenstände,
Personalengpässe
Qualitätsverlust inderVersorgung: da sichPersonal zurückzieht
oder emotional abstumpft
Maßnahmen zur Prävention und Intervention
Schulung des Personals zur Erkennung und zum Umgang mit
Gewalt
Deeskalationstraining
Sicherheitsmaßnahmen wie Panikknöpfe
Supervision und psychologische Unterstützung für Betroffene
Gesellschaftliche Sensibilisierung für dasThema Gewalt inMe-
dizin und Pflege
In den heurigen Ausgaben der ÖZZ werden wir die verschiedenen
Facetten von Gewalt immedizinischen Bereich aus verschiedenen
Blickwinkeln beleuchten. Gewaltopfer suchen die Schuld oftmals
bei sich selbst. Diesen Umstand gilt es umzukehren. Die Scham
muss die Seitewechseln und das geht nur durchAufklärung, offene
Kommunikation und Stigmatisierung der Täter:innen.
© LZÄK OÖ
E I N B L I C K
Die Problematik der Gewalterkennung im medizinischen
Bereich sowie die Gewalt gegen medizinisches Personal
sind eng miteinander verknüpft und stellen ein wachsendes
gesellschaftliches und berufsethisches Problem dar. Übergriffe
auf medizinisches Personal sind permanent ansteigend.




