Table of Contents Table of Contents
Previous Page  4 / 78 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 4 / 78 Next Page
Page Background

Z A H N A E R Z T E K A M M E R . A T

ÖZZ Ausgabe 1/2026

4

Unter „

Gewalt

“ versteht man körperliche, psychische, sexuelle

oder soziale Schädigungen, die einer Person wissentlich zugefügt

werden. Immedizinischen Kontext können sowohl

Patient:innen

(z. B. häusliche Gewalt, Kindesmisshandlung, Missbrauch älterer

Menschen) als auch

Gesundheitspersonal

(z. B. durch aggressive

oder überforderte Patient:innen, Angehörige oder andereMitarbei-

tende) Opfer von Gewalt werden.

Es ist nicht immer einfach,

Gewalt immedizinischenAlltag

zu er-

kennen. UnspezifischeAnzeichen sindHämatome, Angstzustände

oder psychosomatische Beschwerden. Häufig hindern Scham und

Angst die Betroffenen, über erlebte Gewalt zu sprechen. Der vor-

handeneZeitdruckunddiehoheArbeitsbelastung immedizinischen

Alltag erschweren oft eine gründliche Anamnese. Darüber hinaus

gilt es auch noch die ethischen und rechtlichen Dimensionen zu

beachten. Oft sehen wir uns als Zahnärzt:innen mit demDilemma

Schweigepflicht oder Meldepflicht konfrontiert.

Gewalt gegen medizinisches Personal

kann sowohl von Pati-

ent:innen und Angehörigen als auch von Kolleg:innen oder Vor-

gesetzten ausgehen (z. B. strukturelle Gewalt durch Hierarchien)

und äußert sich in

Form

von:

°

Verbaler Gewalt

: Beleidigungen, Drohungen, sexuelle

Belästigung

°

Physischer Gewalt

: Schläge, Tritte, Spucken, Werfen

von Gegenständen

°

PsychischerGewalt

: Einschüchterung,Mobbing, Diskriminierung

Genauso vielseitig wie die Formen sind deren

Ursachen

.

Überlastung und Stress bei Patient:innen und Personal,

emotionale Ausnahmesituationen (z. B. Notfälle, Todesfälle),

Kommunikationsprobleme,

kulturelle Missverständnisse sowie

mangelnde Arbeitsorganisation

sind hier anzuführen.

GEWALT IM FOKUS

MR Dr. Günter Gottfried

Vizepräsident und Referent

für Kommunikation und

Digitalisierung der Österreichischen

Zahnärztekammer

Die

Folgen

sind oft dramatisch und langwierig:

Psychische Belastung: Angst, Schlafstörungen, Burnout

Physische Verletzungen: mit ggf. langer Rekonvaleszenz

BeruflicheKonsequenzen: erhöhteFluktuation, Krankenstände,

Personalengpässe

Qualitätsverlust inderVersorgung: da sichPersonal zurückzieht

oder emotional abstumpft

Maßnahmen zur Prävention und Intervention

Schulung des Personals zur Erkennung und zum Umgang mit

Gewalt

Deeskalationstraining

Sicherheitsmaßnahmen wie Panikknöpfe

Supervision und psychologische Unterstützung für Betroffene

Gesellschaftliche Sensibilisierung für dasThema Gewalt inMe-

dizin und Pflege

In den heurigen Ausgaben der ÖZZ werden wir die verschiedenen

Facetten von Gewalt immedizinischen Bereich aus verschiedenen

Blickwinkeln beleuchten. Gewaltopfer suchen die Schuld oftmals

bei sich selbst. Diesen Umstand gilt es umzukehren. Die Scham

muss die Seitewechseln und das geht nur durchAufklärung, offene

Kommunikation und Stigmatisierung der Täter:innen.

© LZÄK OÖ

E I N B L I C K

Die Problematik der Gewalterkennung im medizinischen

Bereich sowie die Gewalt gegen medizinisches Personal

sind eng miteinander verknüpft und stellen ein wachsendes

gesellschaftliches und berufsethisches Problem dar. Übergriffe

auf medizinisches Personal sind permanent ansteigend.